Dickes Ende (Editorial aus BlachReport 15-2020)

21.7.2020

Laut Meeting- & EventBarometer 2020 gab es im Jahr 2019 bei den Tagungs- und Veranstaltungsstätten einen Zuwachs von 1,5 Prozent. Erneut waren es vor allem die Eventlocations, die mit einem Zuwachs von drei Prozent an der Spitze lagen. Der Anteil dieser Art von Veranstaltungsstätten macht mit 31 Prozent rund ein Drittel des Gesamtmarktes aus. Auf die Tagungshotels entfällt ein Marktanteil von 45 Prozent und rund ein Viertel der Veranstaltungsstätten sind Veranstaltungs-Centren. Im Vergleich mit den jeweiligen Zahlen aus den Vorjahren entstand schon länger der Eindruck, dass dieser Markt kaum Grenzen kennt – so groß war der Bedarf.

Auch auf die Kreativität, der bei der „Umnutzung“ bestehender Räume in eine Eventlocation häufig eine zentrale Rolle zukam, trifft das zu. Unabhängig davon, ob es sich nun um das Geldautomaten-Foyer in der lokalen Sparkasse, das Tipi der Kinder im Vorgarten oder den Autowaschplatz im Industriegebiet handelte – Eventlocation ging immer . . .

Das könnte jetzt kippen. Coronabedingt finden Veranstaltungen momentan häufig und voraussichtlich zumindest auf absehbare Zeit digital oder hybrid statt. Gebraucht dafür werden in der Regel kleine und kleinste Veranstaltungsstätten, die kaum Ausstattung benötigen und mit einem spärlichen Set-up funktionieren. Der Rest ist dann ohnehin projiziert oder gleich digital visualisiert.

Es ist auch egal, wo sich diese Streaming-Locations befinden – eine halbwegs passable Verkehrsanbindung vorausgesetzt. Attraktivität, Umgebung, Wettersicherheit, Erreichbarkeit für Gruppen – momentan uninteressant. New York, Rio, Tokio? Warum, wenn das Streaming ebenso gut in Castrop-Rauxel oder Berlin-Marzahn funktioniert.

Unabhängig davon, ob und wann das Event-Business wieder hochfährt, dürften speziell die Eventlocations noch länger die Folgen von Covid-19 spüren. Für einen Markt, der sich wahrscheinlich step-by-step und möglicherweise erst nach dem Jahreswechsel wieder entwickelt, wird das Angebot für lange Zeit zu groß sind. Autowaschplatz, Kinder-Tipi und Sparkassen-Foyer behalten ihre eigentliche Funktion. Für alle anderen Locations dürfte das dicke Ende noch kommen.

Herzlichst

Ihr Peter Blach

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