Nadja Kahn im BlachReport über die Herausforderungen im Event-Geschäft

11.7.2018

Seit etwa 30 Jahren ist Nadja Kahn in der Veranstaltungsbranche, seit 2003 mit ihrem eigenen Unternehmen KahnEvents Incentives & Concepts in Hamburg. Mit ihren Kollegen plant und organisiert sie pro Jahr rund 50 Veranstaltungen mit Gästeanzahlen von durchschnittlich 250 Personen. Welche Herausforderungen dabei entstehen und welche Zukunft sie für ihr Business erwartet, haben wir erfragt.

 

BlachReport: Der DSGVO-Rummel hat uns gerade alle mehr beschäftigt als gewünscht. Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für das Event Marketing beziehungsweise das Teilnehmer-Management?

 

Nadja Kahn: Ganz wichtig ist, dass wir die Kunden nicht mehr so einfach einladen können. Vorher sind jetzt grundsätzlich Genehmigungen erforderlich, um sie datenbankgestützt anzuschreiben. Und der Versand von Teilnehmerdaten, zum Beispiel an Hotels oder Leistungspartner, darf jetzt nur noch mit Verschlüsselung und Passwort erfolgen. Wir machen das natürlich und haben auch ein sehr gutes System zur Verfügung. Unser Lieferant dafür hat auch das Europäische Parlament als Kunden, was wohl für die Praxistauglichkeit und Sicherheit spricht. Damit sind wir in der Lage, individuelle Listen für unterschiedliche Dienstleister zu nutzen. Der Versand erfolgt dann per Link passwortgeschützt.

 

BlachReport: Was sind für Sie die Herausforderungen im Event Marketing 2018?

 

Nadja Kahn: Die weitere Digitalisierung bleibt ganz klar im Fokus, polarisiert aber auch. Das kann sogar dazu führen, dass bestimmte Zielgruppen verloren gehen, weil sie sich von der digitalen Entwicklung bedroht fühlen. Ansonsten steht die Forderung nach einem größeren inhaltlichen Mehrwert im Vordergrund, der durch eine Veranstaltung erreicht werden soll. Dafür wandeln sich viele Veranstaltungen vom Entertainment zum Infotainment. Agenturintern hat sich der fehlende Nachwuchs zum Hemmschuh entwickelt. Junge Bewerber haben häufig wenig Vorstellung, was der Beruf von ihnen abverlangt: Sprachkenntnisse, sicherer Umgang mit Stil und Etikette, Bewusstsein für Kulinarik, Erfahrung mit digitalen Medien, Organisationstalent und nicht zuletzt Reisebereitschaft. Doch diejenigen, die diesen Beruf wirklich wollen, setzen sich immer noch leidenschaftlich dafür ein. Nur solche sind seltene Perlen.

 

BlachReport: Wie wird man diesen Herausforderungen gerecht?

 

Nadja Kahn: Beim Einsatz digitaler Tools für das Teilnehmermanagement beispielsweise muss man häufig noch zweigleisig fahren und analog mit digital mischen. Doch auf lange Sicht wird es Normalität sein, digitale Lösungen zu nutzen. Und je einfacher die Gestaltung, desto lieber einfacher überzeugen wir von digitalen Lösungen. Unser Anspruch ist dabei immer, dass eine Anwendung inhaltlich fundiert ist und idealerweise auch nachhaltig wirkt. Wir reihen nicht irgendwelche Tätigkeiten aneinander, sondern organisieren live erlebte Geschichten – und zwar keine Märchen. Und das betrifft auch digitale Welten. Hinsichtlich der Nachwuchsproblematik bilden wir bereits seit Jahren selbst aus und übernehmen nach Möglichkeit die Mitarbeiter dann auch, so wie auch in diesem Jahr geschehen.

 

BlachReport: Welche Rolle kann die Verknüpfung von Event-Marketing mit digitalen Tools spielen?

 

Nadja Kahn: Diese Verknüpfung ist immer dann sinnvoll, wenn sich damit ein Mehrwert abbilden lässt. Idealerweise entsteht sogar ein persönlicher Nutzen über eine Veranstaltung hinaus. Durch den digitalen Wandel lassen sich die Möglichkeiten einer Veranstaltung immens erweitern. Man muss dafür aber über nötige Fachwissen verfügen und die richtigen Partner zur Seite haben.

 

BlachReport: Haben Sie in diesem Bereich schon persönliche Erfahrungen gesammelt?

 

Nadja Kahn: Wir haben uns mit den Möglichkeiten intensiv beschäftigt und arbeiten aktuell an einem größeren Projekt, bei dem die Digitalisierung im Fokus steht – in jeder Weise. Unser Kunde will und wird damit seine Modernität nach außen kommunizieren. Die Veranstaltung findet Anfang 2019 statt. 

 

BlachReport: Unternehmen wollen sparen und Compliance-Regeln einhalten, während die Gäste ein nachhaltiges Erlebnis erwarten. Wie lässt sich das vereinbaren?   

 

Nadja Kahn: Es funktioniert mit Liebe zum Detail, und man muss mehr denn je ein aufmerksamer Gastgeber sein. Der Kunde legt heute großen Wert darauf, ein unvergessliches Erlebnis zu bekommen und persönlich abgeholt zu werden. Schlüsselfaktoren sind Achtsamkeit, Würdigung und Emotionalität. Wir setzen dafür auf individuelle Ideen und Lösungen, die einzigartig sind.

 

BlachReport: Zum Live-Erlebnis gehört häufig auch eine Incentivierung. Welche Ziele im In- und Ausland empfehlen sie Ihren Auftraggebern?

 

Nadja Kahn: Ich möchte eigentlich nicht ein bestimmtes Ziel empfehlen. Viel wichtiger ist doch, dass ein Ziel seine Besonderheiten hat, also nicht austauschbar ist, und es wie ein Paar Schuhe optimal passt. Ziele und Aufgabenstellung müssen zusammenpassen. Dann entstehen unvergessliche Erlebnisse, die auch überraschen. Dazu vielleicht ein kleines Beispiel: Für eine Incentivereise eines Kunden, der eine Sonnendestination mit der Möglichkeit zum Golfspielen angefragt hat, haben wir einen Golfplatz vorgeschlagen, der in den Sommermonaten sogar 24 Stunden mit Sonne aufwartet: der nördlichste Golfplatz Europas auf den Lofoten. Damit haben wir ihn überzeugt . . .

 

BlachReport: Welche Entwicklung erwarten Sie für Ihr Geschäft in den nächsten zwei Jahren?

 

Nadja Kahn: Wir sind glücklicherweise gut aufgestellt und hatten kürzlich unser 15. Jubiläum. Gerade erst haben wir einen Fünf-Jahres-Pitch gewonnen und konnten uns dabei gegen sieben andere Agenturen durchsetzen. Das steht für das große Vertrauen, das der Kunde in uns setzt. Insofern bin ich sehr zuversichtlich, was die weitere geschäftliche Entwicklung angeht. 

 

BlachReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

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