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Compliance und Events (Editorial aus BlachReport 5-2018)

7.3.2018

 

 

Grundsätzliches vorweg: wir distanzieren uns als Fachmedium von jeglicher Art von Parteipolitik. Dennoch möchten wir auf ein „Positionspapier der Landeskommission Messe, Tourismus und Eventwirtschaft“ eingehen, das uns vom Wirtschaftsrat Deutschland der CDU aus Baden-Württemberg zuging. Inhaltlich geht es dabei um den „Umgang mit Compliance im Kontext von Events“, was ja insbesondere in Zusammenhang mit Business- und Sportveranstaltungen grundsätzlich eine Rolle spielt und durch eine offenbar „typisch deutsche“ Neiddebatte immer wieder neuen Schub bekommt.

Neben einer Begriffsdefinition und einem Zitat aus dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) enthält das Positionspapier auch einige Thesen von besagtem „Wirtschaftsrat“ sowie Vorschläge für den richtigen Umgang mit Compliance – also regelkonformes, an moralischen Grundsätzen orientiertes Wirtschaften. Die Landesfachkommission Messe, Tourismus und Eventwirtschaft des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg sieht in einer oft strikten Handhabung von Compliance-Regeln „ein unbegründetes, undifferenziertes und letztlich für den Eingeladenen auch häufig nachteiliges Handeln“. Ein möglicher Nutzen, beispielsweise durch Veranstaltungen mit Netzwerk-Charakter, wird demnach „völlig ignoriert“.

In ihren Thesen weist die Kommission darauf hin, dass Compliance-Regeln zu Offenheit und Transparenz im unternehmerischen Geschäftsgebaren führen soll. Es geht also prinzipiell nicht um Verbot oder Verzicht. Ort und Ausstattung einer Veranstaltung, also auch Catering und Technik, spielen eine Rolle für die Wirkung und – weiter im Positionspapier – „nachhaltige Wirkung ist wichtig, sie ist Ziel, Zweck und Sinn der Begegnungskommunikation“. Kultur- und Sport-Veranstaltungen sind als „Umfeld“ häufig die beste Plattform für die Kommunikation von Marken, für die Schaffung von Netzwerken, für Dialog und Vertrauenserwerb. Daher die Forderung der Kommision: „Dem muss aus Sicht von Compliance Rechnung getragen werden“. Lernen, informieren, sich austauschen und treffen: edukative und andere Ziele werden gerade durch solche Veranstaltungs-Elemente unterstützt, die heute durch pauschale, starre Compliance-Regeln ausgeblendet sind.

Für einen richtigen Umgang mit Compliance empfiehlt die Kommision im Positionspapier eine Ausrichtung oder Teilnahme von beziehungsweise an Veranstaltungen und die Unterstützung von Business-Events, kulturellen oder Sport-Veranstaltungen, die in der Regel einen Nutzen stiften, der mit anderen Mitteln nicht oder nicht in diesem Maße erreicht werden kann. Dabei sind Veranstaltungen und deren Ausgestaltung „ein Transportmittel“. Das Umfeld einer Veranstaltung – hierzu zählen auch der Ort und die gastronomische Versorgung, die Auswahl der Gäste sowie das Angebot an Unterhaltungselementen wie Redner und Künstler – generiert den Erfolg, der richtige Rahmen fördert die Ziele der Veranstaltung. Weiter geht es in den Empfehlungen: Interessante Gesprächspartner bei einem Sport-Event zu treffen, für die eigene Aufgabenstellung im Unternehmen relevante Personen bei einem Gala-Dinner kennenzulernen – ist alternativlos und unabhängig davon zu beurteilen, ob Bockwurst oder ein 4-Gänge-Menü serviert werden.

Aus dem Positionspapier sind jetzt nur einige Punkte angerissen. Inhaltlich ist manches davon sinnstiftend interpretiert, anderes durchaus diskussionswürdig. Aber warum entstanden diese Thesen in einem parteipolitischen Rahmen? Warum beschäftigt sich eigentlich nicht mal einer der Branchen-Verbände inhaltlich mit diesem Thema? Schade, wieder mal eine Chance verpasst, sich zu engagieren und vielleicht auch zu profilieren.

Herzlichst

Ihr Peter Blach

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