© 2015-2019 by AktivMedia GmbH

Fragen an Dipl.-Ing. Michael Willacker von Osram über die Zukunft der Entertainmentbeleuchtung

1.12.2017

Michael Willacker (Foto: Blach)

 

Wir haben mit Dipl.-Ing. Michael Willacker, Head of Professional and Industrial Applications/Vice President bei Osram, über aktuelle Themen wie die weitere Entwicklung bei Leuchtmitteln und die strategische Position als Scheinwerferproduzent gesprochen.

 

StageReport: Die Entladungslampe HMI Event wurde ‚speziell für Automessen und andere Großmesseveranstaltungen’ konzipiert. Haben Sie eine Übersicht, ob und wie oft das Leuchtmittel auf der IAA 2017 zum Einsatz kam?

Michael Willacker: Es gibt da natürlich keine Liste. Aber ich weiß von mindestens zwei deutschen Herstellern, bei denen rund 300 unserer HMI 575 W Event im Einsatz waren.

 

StageReport: Was bedeutet für Osram die Ergänzung ‚speziell für Automessen’ in Bezug auf die Eigenschaften eines Leuchtmittelns?

Michael Willacker: Es gibt einige Eigenschaften, mit denen das Leuchtmittel auf diese speziellen Anforderungen vorbereitet ist. Dazu zählen eine hohe Lichtleistung, eine gleichförmige Lichtverteilung, reduzierte Farb- oder Helligkeitsunterschiede, eine minimale Lichtstreuung durch enge Bündelung, eine konstante Tageslicht-Farbtemperatur über die gesamte Lebensdauer der Lampe und ein ebenfalls über die gesamte Lebensdauer konstanter Farbwiedergabeindex mit einem CRI von unter 90. Der beschreibt eines der zentralen Qualitätsmerkmale von Licht. Durch ihn können wir beurteilen, wie natürliche Farben im Licht einer Lampe dargestellt werden. Damit ein beleuchtetes Objekt realitätsgetreu wiedergegeben wird, muss eine Lichtquelle sämtliche Spektralfarben enthalten. Als Maximum gilt ein CRI Wert von 100, der dem Sonnenlicht entspricht. Wir erreichen das sowohl durch eine optimierte Gasfüllung als auch über eine spezielle Selektion für den Kunden. Weiterhin haben wir die Lampe im Sockelbereich aufgerüstet, weil sich hier im Betrieb die Hitze bündelt.

 

StageReport: Was erwarten Sie für die ‚Zukunft der Entertainmentbeleuchtung’? In welche Richtung geht die Entwicklung bei Osram?

Michael Willacker: Die LED-Penetration schreitet weiter voran. Wir finden diese Leuchtmittel in immer mehr Anwendungsbereichen. Das führt dazu, dass der Farbwiedergabe beziehungsweise -treue der LEDs eine immer größere Bedeutung zukommt. Ein weiteres Engineering-Ziel ist bei uns die Erhöhung der Leuchtdichte bei den LEDs. Aber auch bei den Entladungslampen ist noch einiges möglich, zum Beispiel durch Quecksilber-Höchstdrucklampen mit Arbeitsdrücken jenseits von 200 Bar, was gut für die Leuchtdichte und das weiße Spektrum ist. Im Theater gibt es noch viel Halogenlicht, was für die Farbwiedergabe unschlagbar ist. Die Möglichkeiten zur Dimmung von Halogenlampen sind ebenfalls weiter unübertroffen. Aber auch hier werden LEDs kommen, allein weil sie mehr Flexibilität bei den Farben bieten. Ich bin der festen Meinung, dass die Entwicklung bei den LEDs die Halogenvorteile bald ausgleichen wird. Natürlich sind vorher noch einige Entwicklungen nötig. Unter anderem müssen noch Möglichkeiten gefunden werden, um die Alterungserscheinungen bei den LEDs in den Griff zu bekommen. Sie altern bei hoher Temperatur schneller.

 

StageReport: Können LEDs Entladungslampen und Halogen-Leuchtmittel in der Entertainmentbeleuchtung irgendwann komplett ersetzen?

Michael Willacker: Das glaube ich wiederum nicht. Gute Lichtdesigns haben schon immer den kreativen Umgang mit der Hardware und den Leuchtmitteln vorausgesetzt. Die LED wird sich aber weiter ausbreiten, und die Leuchtdichte sich weiter entwickeln. Momentan ist das ja auch eine Frage der Kühlung, weil die LEDs immer enger gepackt werden. Ich denke aber, dass hinsichtlich der Leuchtstärke irgendwann auch die Beleuchtung der Frankfurter Festhalle mit LEDs möglich sein wird.

 

StageReport: Was kommt nach der LED?

Michael Willacker: Das weiß ich leider auch nicht, kurz- und mittelfristig ist noch nichts in Sicht. Momentan konzentrieren wird uns ohnehin mehr oder weniger auf das weitere Engineering bei den LEDs. Ich diesem Markt ist noch keine Sättigung in Sicht.

 

StageReport: Osram ist in der Entertainmentbeleuchtung nicht nur mit Leuchtmitteln stark vertreten, sondern ebenso als Scheinwerferproduzent. Was erwarten Sie von der weiteren Entwicklung von Claypaky und ADB in Deutschland und Europa? Und welche Rolle spielen dabei Ihre Vertriebspartner?

Michael Willacker: Wir wollen in diesem Bereich weiter wachsen. Das ist unser Ziel. Unsere Partner spielen auf diesem Weg eine wichtige Rolle und sind als Multiplikatoren und für die Logistik unersetzbar. Ich kann mir daher gut eine weitere Verstärkung in Richtung Systeme und Komplettanbieter vorstellen. Dafür haben wir beispielsweise die ADB Konsolen überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht. Die Entwicklung im Bereich Dimming ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Der Markt verdichtet sich immer mehr – zum Beispiel durch die starken Zuwächse bei den chinesischen Herstellern im Entertainmentbereich. Hier ist Strategie und Weitsicht gefragt.

 

StageReport: Welche Bedeutung haben ihre Scheinwerfermarken in der strategischen Entwicklung von Osram – bezogen auf die nächsten Jahre?

Michael Willacker: Die Beleuchtung im Entertainment-Bereich spielt in der Strategie von Osram eine wichtige Rolle. Wir können uns daher weitere Zuwächse und auch Zukäufe vorstellen. Insbesondere die ‚Digitalisierung des Lichts’ möchte ich hier als Stichwort nennen. Sie wird künftig eine große Rolle in der professionellen Beleuchtung spielen.

 

StageReport: Bezogen auf Ihren Gesamtmarkt: Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Segment ‚Entertainmentbeleuchtung’ mit den Teilmärkten Shows und Tourneen, Studio, Theater, MICE und Messe bei Osram?

Michael Willacker: Wir sehen dieses Segment eindeutig als Wachstumsmarkt, das wir weiter ausbauen wollen.

 

StageReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

 

Please reload

Follow Us
  • Facebook B&W
  • Twitter B&W
  • YouTube B&W
Recent Posts
Please reload