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„Digital ist tot – es lebe der Offline-Event“?

27.11.2017

Frank Mielke (Foto: B+D Events)

 

Frank Mielke, Geschäftsführer der Agentur für Live-Kommunikation B+D Events in Köln, fordert für die Zukunft auf Events eine Konzentration auf Erlebnisse und den Verzicht auf digitale Gadgets. Warum – hat er im Gespräch mit dem BlachReport erläutert.

 

BlachReport: Sie plädieren für eine Rückkehr zum ‚ursprünglichen Gedanken des Events’ ohne digitalen Hype. Warum?

Frank Mielke: Wenn man sich ansieht, was die Menschen wollen, kommt man schnell auf Werte und Begriffe wie ‚echt, ‚lokal’ oder auch ‚authentisch’ – und das gilt sowohl für Produkte als auch Marken. Deswegen meine Gegenfrage: wie kann digital dabei helfen? Ich möchte das auch gleich beantworten. Ein Nutzen außerhalb praktischer Überlegungen ist nicht gegeben. ‚Live’ ist gemessen an gängigen Marketingwährungen wie dem TKP ein sehr teures Instrument, dessen Besonderheiten zu nutzen sind, wenn es die gewünschten Erfolgen bringen soll. Man sollte das nicht mit digitalen Vehikeln in Frage stellen. ‚Digital’ behindert die persönliche Kommunikation und führt oft zur Vereinzelung. Das lässt sich mit den Wirkungsmechanismen von ‚Live’ nicht in Einklang bringen.

 

BlachReport: Was bedeutet für Sie überhaupt digitaler Hype?

Frank Mielke: Uns stehen heute viele tolle Apps zur Verfügung, Es gibt Votingsysteme, Livestreams, AR, VR und vieles mehr. Bei aller technischen Faszination, die daraus entsteht, darf ein Live-Event aber nicht zur Fotokulisse für Influencer und zur Bespielung von Instagram & Co. werden beziehungsweise darauf reduziert werden. Clicks, Shares und Likes sind keine konvertierbare Währung, wenn man Mensch und Marke zusammenbringen will. Digitale Gimmicks – und darum handelt es sich oft genug – erzeugen keine inhaltliche Dichte und sind als logische Alternative zum Live-Erlebnis nicht geeignet.

 

BlachReport: Kann eine digitale Unterstützung im Rahmen hybrider Events nicht auch Vorteile bringen?

Frank Mielke: Keine Frage. Aber schon die Bezeichnung passt nicht. Es gibt keine hybriden Events. Es handelt sich im Prinzip um digitale Helferlein, die für die Durchführung von Marketing-Events durchaus praktisch sind. Sie können Inhalte und ihre Inszenierung aber nicht ersetzen.

 

BlachReport: Welche digitalen Bestandteile stören Sie in der Live-Kommunikation?

Frank Mielke: Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich kein Ewiggestriger bin. Wir haben bei uns in der Digitalunit rund 40 Kollegen, deren kreative Arbeit ich sehr schätze. Was mich stört, ist die Verwechselung von Werkzeugen und Inhalten. ‚Digital’ ist cool, trägt aber nicht zu echten Erlebnissen bei. Das wiederum ist ein Grundprinzip im Wirkungsmechanismus von Marketing-Events und hat sich auch nicht geändert. Wir wollen doch alle nicht, dass die Gäste eines Events allein auf ihrem iPad rumdaddeln. Es traut sich nur keiner, das auch zu sagen.

 

BlachReport: Wie sollten Events gestaltet sein, um ‚ursprünglich’ zu sein?

Frank Mielke: Natürlich wollen sie mich mit dem Begriff ‚ursprünglich’ provozieren. Ich weiche dieser Falle mal aus. Ich bin ganz einfach gegen die Überhöhung von Werkzeugen – und das gilt für digitale ebenso wie für technische. Wenn sie für eine Bühnenshow attraktive Inhalte mit einer tollen Lightshow veredeln können, ist das okay und unterstützt den Content beziehungsweise die Show. Die Lightshow allein wollen sie aber nicht sehen. So ähnlich würde ich das bei den digitalen Werkzeugen sehen. Sie können guten Content noch besser machen. Mehr nicht.

 

BlachReport: Können Sie dazu Beispiele aus der Praxis liefern?

Frank Mielke: Wir haben zum Beispiel mehrere Formate für Führungskräfte bei Henkel und E.ON entwickelt, wo die Teilnehmer am Empfang ihre Smartphones wegschließen lassen müssen. Mit dieser Rückbesinnung auf persönliche Kontakte konnten wir nicht nur gute Ergebnisse von Meetings und Workshops erzielen, sondern auch die gewünschte Nachhaltigkeit verzeichnen. Natürlich ist das zunächst unpopulär, wenn 400 Führungskräfte ihre Smartphones abgeben müssen. Die erzielten Ergebnisse geben uns aber Recht. Eins ist doch klar: Wir wollen auf Veranstaltungen sprechen, kommunizieren, uns austauschen und gemeinsam etwas erleben. Dann sollten wir das auch tun.

 

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