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Showchoreographien mit Drohnen: Himmelstanz

23.3.2017

phase7 performing.arts ist ein interdisziplinäres Künstler-Kollektiv aus Berlin und wurde 1999 vom Regisseur und Medienkünstler Sven Sören Beyer initialisiert. Darstellende und bildende Künstler arbeiten in dem Netzwerk Hand in Hand mit technologieaffinen Spezialisten, beispielsweise Computer- und Software-Experten, und kreieren aus diesem Ansatz heraus eine identitätsstiftende Kunstsprache, die ihre Übersetzung in der Konzeption und Realisierung außergewöhnlicher Event-Formate findet. Für phase7 performing.arts ist das Anwenden neuer Technologien ein wichtiges Inszenierungsmittel – wie beispielsweise Showchoreographien mit sogenannten Quadrocoptern.

Quadrocopter sind UAVs (unamanned aerial vehicel), auch als Drohnen bekannt. Aufgrund ihrer Ausstattung mit Motor-Rotoren ist ein Quadrocopter mit einem Hubschrauber zu vergleichen. GPS ist ebenfalls integriert. „Gerade diese Fluggeräte eignen sich wegen der sehr feinen Steuerungsoptionen hervorragend als Element einer Showinszenierung“, sagt Sven Sören Beyer. „Durch den Aufbau mit den  Rotoren können Quadrocopter exakt positioniert werden, was natürlich ein Vorteil ist, wenn einem Fluggerät im Rahmen eines Show-Konzeptes eine bestimmte Stelle zugedacht ist.“

Die Operator von phase7 performing.arts nutzen für die Steuerung zwei Varianten: Für den Live-Einsatz wird sowohl vorprogrammiert, als auch mit der Fähigkeit der selbstständigen Kommunikation der Geräte gearbeitet. „Die selbstständige Kommunikation ist ein Motiv aus der Schwarmforschung“, erklärt Beyer. Diesem Prinzip zu Grunde liegen Tests der Technischen Universität Budapest und des phase7 performing.arts Partners CollMot Robotics. In Feldversuchen wurden beispielsweise Taubenschwärme mit GPS-Sendern bestückt, um Flugverhalten und -wege zu studieren. Erkenntnisse daraus wurden abgeleitet und adaptiert. Das äußere sich dann zum Beispiel darin, dass die Fluggeräte immer in ihren Aktionsradien bleiben und Mindestabstände zur nächsten Maschine hielten, sagt Beyer.  „Die Vorprogrammierung eines Verhaltens ist für uns allerdings ein noch wichtigerer Bestandteil einer Choreographie, da wir die Quadrocopter synchron zu Musik am Himmel tanzen lassen. Dafür legen wir einen Algorithmus, sozusagen eine „Roadmap“, an, welche dann von den Fluggeräten nach einem Zeitplans abgearbeitet wird.“

Das „Einlassen auf die Technik unserer Zeit und die daraus entstehenden Potentiale auf die Bühne zu bringen“ – die Technikfaszination ist Treiber und Motor für das Kollektiv, wie Beyer erklärt. „Wir testen gerne und versuchen herauszufinden, inwieweit der Einsatz technischer Innovationen für unsere Showinszenierungen Sinn ergeben. Die Quadrocopter haben diese Hürde längst passiert und werden für die unterschiedlichsten Veranstaltungsformate gerade aktuell immer mehr nachgefragt. Und unterschätzen Sie nicht die Wirkung eines sich am Himmel langsam zusammensetzenden Pixel Display, wie zum Beispiel einem Logo, aus Quadrocoptern mit LEDs, beispielsweise bei einem Corporate Event. Genauso darf man die Reaktionen des Publikums im Nachgang einer Veranstaltung nicht außer Acht lassen. Manchmal entsteht schon ein kleiner Hype in den Social Media-Kanälen.“

An weiterführenden Anwendungsszenarien arbeitet das Kollektiv stetig. So kann beispielsweise künftig Pyrotechnik oder Laser an den Fluggeräten angebracht werden. Spannend ist dabei vor allem auch der interaktive Ansatz, den das Künstlernetzwerk bereits erfolgreich einsetzte, wie eine Performance beim „Murmuration“ im Rahmen des Shanghai Interactive Festival of Theater 2016 illustriert. „Eine Tänzerin hat ein spezielles gyroskopisches Device an der Hand. Dieses Device steuert dann nach vorprogrammierten Algorythmen mit dem Schwarm aus Quadrocoptern. Das Ergebnis ist, dass die Fluggeräte den Bewegungen der Tänzerin auf der Bühne folgen und im Gesamten eine atemberaubende Szenerie entsteht“, so Beyer.

Sicherheit spielt beim Umgang mit den Maschinen die entscheidende Rolle. „Sicherheit ist bei uns natürlich der wesentliche Faktor. Wenn wir betrachten, inwieweit Drohnen heute in der Gesellschaft angekommen sind – der Gesetzgeber hat deswegen mittlerweile Vorschriften erlassen, die eine Nutzung von UAVs regeln.  Da geht es dann um Mindestabstände, keine Flugmanöver über Publikum, Lizenzen für den Betrieb und den notwendigen Pilotenschein für einen Operator“, erklärt Beyer die elementaren Bedingungen für den Einsatz und führt weiter aus:  „Wir proben zusätzlich in einem ‚virtuellen Cage‘. Dort wird ein Fluggerät dergestalt programmiert, dass der Quadrocopter sich nur in vordefinierten Zonen bewegt. Zusätzlich ist in unserem System auch immer ein Nofallszenario enthalten. Fehlt beispielsweise das GPS-Signal einer Maschine, setzt der Quadrocopter automatisch zum Sinkflug an und landet autark.“

Die Quadrocopter aus dem Fundus von phase 7 performing.arts werden vollständig in Eigenregie entwickelt und gebaut.

 

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