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„The One“ im Friedrichstadt-Palast Berlin: Nutzen statt besitzen?

6.3.2017

Showplakat (Foto: Friedrichstadt-Palast Berlin)

 

Am 6. Oktober 2016 feierten knapp 2.000 Gäste im bis auf den letzten Platz ausverkauften Friedrichstadt-Palast Berlin die Premiere der neuen Show „The One“, die bis Mitte Juli 2018 laufen wird. Die Dimensionen der neuen Produktion sind überwältigend: „The One Grand Show“ bringt über 100 Künstler aus 26 Nationen auf die größte Theaterbühne der Welt. Das Produktionsbudget lag bei mehr als elf Millionen Euro, davon sind 5,5 Millionen Euro in die technische Ausstattung geflossen. Die Inszenierung kommt von Showmacher Roland Welke, das spektakuläre Lichtdesign gestaltete Emmy-Preisträger Peter Morse, der für Michael Jackson, Madonna, Barbra Streisand und Bette Midler tätig war. Die Kostüme entwickelte Jean Paul Gaultier, Weltstar der Pariser Haute Couture.

Schon zur Premiere waren durch Rekordkartenverkäufe und -vorverkäufe knapp zwei Drittel der Produktionskosten wieder eingespielt. „Jede neue Produktion ist ein enormes Risiko, da wir quasi unsere gesamten Geldmittel auf die neue Produktion setzen. Nun sprengen wir mit den Kartenumsätzen zum fünften Mal in Folge alle bisherigen Rekorde. Meine Freude und meine Erleichterung darüber sind kaum in Worte zu fassen“, so Intendant Dr. Berndt Schmidt, der wie alle großen Publikumserfolge seit 2008 auch „The One“ produziert hat.

In der Produktionsphase der Show spielten nicht nur künstlerische und technische Details der Inszenierung eine Rolle, sondern auch neue Möglichkeiten der Finanzierung. Wir haben darüber mit Franz Münzebrock, dem technischen Direktor im Friedrichstadt-Palast Berlin, gesprochen.

 

StageReport: Herr Münzebrock, wie entstehen die Megaproduktionen im Friedrichstadt-Palast? Wie können wir uns das vorstellen?

Franz Münzebrock: Das sind sehr komplexe Prozesse, die rund anderthalb Jahre vor der Premiere starten. Anders als Musicals folgen unsere Shows zwar keinem klassischen roten Faden. Dennoch brauchen wir einen Plot – eine Geschichte, die die Show zusammenhält. Typisch für die Kunstform der Revue sind Collagen großer Showbilder, deren innerer Zusammenhalt durch ein verbindendes Sujet entsteht. Diesmal ist es ein ‚flirrender Wachtraum’ in einem alten Revuetheater, der zu einer Zeitreise auf der Suche nach dem Menschen führt, der alles für uns bedeutet: ‚The One’.

 

StageReport: Wie geht es weiter, wenn die grundsätzliche Idee steht?

Franz Münzebrock: Wir suchen uns die Wunschpartner für die Inszenierung, die Musik, das Design, die Kostüme und so weiter aus. Für uns sind das wesentliche Entscheidungen. Wir müssen mit jeder Show 2.000 Gäste begeistern. Teilweise haben wir zwei Vorstellungen pro Tag. Die Attraktivität einer Show ist für uns ein Hauptkriterium und überlebenswichtig für unser Haus.

 

StageReport: Wann erfolgt die technische Planung?

Franz Münzebrock: Eigentlich starten wir jetzt schon mit ersten Ideen für die nächste Show. Grundsätzlich ist das aber ein schwieriges Thema. Wir sind ja im Eigentum von Stadt und Land Berlin und entsprechend an Fristen und Ausschreibungsverfahren gebunden. Das ist in der Praxis aber wirklich nicht einfach umzusetzen, weil wir ja zunächst den passenden Showdesigner finden müssen. Jeder Licht-Designer hat dann natürlich Vorlieben und Präferenzen beim Equipment. Auch von Peter Morse haben wir eine ‚Wunschliste’ mit Geräten bekommen, die für sein Design erforderlich sind. Das kann man dann diskutieren und es gibt da auch einen gewissen Spielraum. Andererseits darf man das Rad nicht überdrehen. Schließlich geht es um einen kreativen Prozess, den man nicht mit der Diskussion über eine bestimmte Art von Scheinwerfern abwürgen kann. Am Ende zählt das Ergebnis. Dazu kommt die Zeit, die wir zwischen zwei Produktionen für den Umbau und die Proben benötigen. Für eine europaweite Ausschreibung muss man ebenfalls drei Monate berücksichtigen. In der Realität sieht es dann so aus, dass wir vor dem Neustart einer Show die Ausschreibung im März starten müssen. Dann haben wir aber noch keinen Lichtplan. Problematisch . . .

 

StageReport: Was passiert denn mit dem Equipment aus der vorherigen Show?

Franz Münzebrock: Bisher haben wir das Equipment gekauft und später eingelagert. Manches kam sofort wieder zum Einsatz, manches nie wieder . . . Aber – wie gesagt – es geht auch um kreative Prozesse. Es funktioniert nicht, wenn sie einem Designer sagen, dass er nur Geräte verwenden kann, die auf Lager sind. Ich nenne ihnen ein kleines Beispiel: Für Projektionen benötigen sie abhängig vom Bühnenbild unterschiedliche Objektive, die viel Geld kosten. In der nächsten Produktion sind diese Objektive vielleicht überflüssig, weil die Projektionsabstände ganz anders sind. Die Objektive werden dann archiviert, klar. Ob sie aber jemals wieder benötigt werden, kann ich nicht voraussagen.

 

StageReport: Wie gehen sie mit diesem Problem um?

Franz Münzebrock: Wir haben schon länger über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht. Die Frage ist doch, ob wir jedes Gerät wirklich erwerben müssen oder möglicherweise nur eine Zeit lang nutzen wollen. Eine Langzeitmiete bot sich dafür als Lösung an. Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, die für uns als öffentliche Einrichtung aber nicht möglich sind.

 

StageReport: Haben Sie diese Möglichkeiten für ‚The One’ genutzt?

Franz Münzebrock: Teilweise. Und wir sind sehr zufrieden mit den Optionen, die sich für uns ergeben. Wobei man sagen muss, dass sich daraus nichts am Budget ändert oder geändert hat. Wir haben für einen Teil der Lichttechnik ein entsprechendes Angebot von AED genutzt und beispielsweise die Movinglights von Clay Paky, die Peter Morse spezifiziert hatte, für 120.000 Euro gemietet – bezogen auf die Laufzeit von zwei Jahren. Budgetiert hatten wir für diese Position einen Betrag von 200.000 Euro. Wir haben jetzt also das gewünschte Equipment für die zwei Jahre der Show zur Verfügung und sind deutlich unter dem Kostenrahmen geblieben. Was anschließend mit diesem Equipment passiert, ist für uns nach den zwei Jahren nicht mehr relevant.

 

StageReport: Worauf legen Sie bei einem Lieferanten Wert und warum fiel die Wahl auf AED?

Franz Münzebrock: Auf AED sind wir mehr oder weniger zufällig gestoßen, als wir ein Problem mit unseren Videoprojektoren am Ende der vorherigen Spielzeit hatten, bei dessen Lösung uns AED mit seinem Serviceteam sehr schnell und flexibel geholfen hat. Wir haben dann auch über Möglichkeiten zur Zusammenarbeit für die neue Show gesprochen. Die Möglichkeiten der AED Toolbox in Verbindung mit dem Produktportfolio und der Servicequalität findet man nicht so häufig am Markt. Bei AED kann ich mich als Kunde entscheiden, ob ich ein Produkt kaufen, mieten – auch über einen langen Zeitraum – oder leasen möchte. AED bietet eine Vielfalt an Kombinationen aus Miete, Kauf und Service aus einer Hand mit einer wirklich guten Qualität.

 

StageReport: Werden sie dieses Finanzierungsmodell auch künftig weiter nutzen?

Franz Münzebrock: Das wollen wir unbedingt machen. Wir sehen dadurch überwiegend Vorteile. Nutzen statt besitzen ist derzeit überall angesagt – Stichwort Sharing Economy. Man kann jetzt gegenrechnen und sagen, dass das gekaufte Material nach einer Produktion wieder in den Verkauf gehen könnte. Das ist richtig, würde bei uns zwischendurch aber nicht nur Lagerkapazität belegen, sondern auch eine Verkaufsabteilung bedingen. Dazu kommen weitere Überlegungen hinsichtlich einer Gewährleistung. Das sind Aufgaben, die wir als Spielstätte schwer leisten können. Um auf die Frage zurück zu kommen: ja, wir denken über neues Beschallungsequipment nach, dass wir dann gern ebenfalls mieten wollen. Im Moment nutzen wir eine Anlage von Turbosound.

 

StageReport: Gibt es auch Einschränkungen für Mietequipment?

Franz Münzebrock: Wir können natürlich nur mobiles Equipment mieten – also alles, was sich jederzeit aus dem Haus wieder herausnehmen lässt. Bei der Bühnentechnik, also beispielsweise Winden oder Punktzüge, ist das so nicht möglich, weil es eigentlich untrennbar mit dem Haus verbunden ist. Dieses Equipment werden wir auch künftig kaufen.

 

StageReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

 

 

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