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Werden die Kompetenzen der Eventmanager den Anforderungen der Kunden gerecht?

17.6.2016

Anspruch und Wirklichkeit . . .

 

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern beziehungsweise ihre Weiterentwicklung ist für viele Agenturen im MICE Segment zu einer ernsthaften Herausforderung geworden. Das gilt auch für Stagg & Friends. Wir haben darüber mit Tanja Habbe, geschäftsführende Partnerin von Stagg & Friends, gesprochen.

 

BlachReport: Frau Habbe, Sie verantworten auf Geschäftsführungsebene den Human Resources-Bereich bei Stagg & Friends. Was sind aktuell ihre größten Herausforderungen?

Tanja Habbe: In der heutigen Zeit haben wir kaum Professionals auf dem Markt, um die immer höher werdenden Kundenanforderungen der Konzerne bedienen zu können. Mitarbeiter wünschen sich, die Führung der Agentur mitzugestalten, allerdings sind viele nicht in der Lage, bei den komplexen Beratungseinheiten, die ein Event heute mit sich bringt, die komplette Verantwortung zu übernehmen. Ein weiterer Faktor, der die Suche nach erfahrenen Mitarbeitern erschwert, ist, dass es viele Projektleiter in der Live-Kommunikation gewohnt sind, nur in organisatorischen Schemata zu denken.

Wir suchen nach gestandenen Persönlichkeiten, die proaktiv beraten, inhaltlich weiterdenken und Live Experience Maßnahmen wertschöpfend für den Kunden kreieren und umsetzen. Wir haben in unserer Agentur hervorragende Talente und Mitarbeiter. Die Herausforderung besteht allerdings darin, diesen Kreis weiter auszubauen.

 

BlachReport: Warum ist das so?

Tanja Habbe: Die Dienstleistungsbranche befindet sich in einem fortlaufenden Wandel: Kontinuierliches Lernen und sich als Agentur weiterentwickeln ist daher Pflicht. Oft fällt es aber schwer, diesen Wandel auf die eigene Arbeitsweise zu projizieren und sich anzupassen – vor allem, wenn man über Jahre hinweg mit den erlernten Routinen erfolgreich war. Das ist nur menschlich. Hier muss in der Ausbildung nachgesteuert werden, damit dem Nachwuchs klar ist, dass er sich immer an den Kundenanforderungen orientieren und auch mal einen Schritt weiter gehen muss als der Kunde erwartet. Aktuell haben wir als Agentur aber das Gefühl, dass dieser Aspekt in der Ausbildung noch nicht stark genug betont ist. Dementsprechend sind wir Agenturen gefordert, unsere Mannschaft mit ‚Training on the Job’ selbst weiterzubilden und zu fördern. Bei Stagg & Friends passen wir mindestens zwei Mal jährlich unsere Agenturstruktur an, um auf die stetig wechselnden Kundenanforderungen flexibel reagieren können. Wenig Wandel bedeutet Stillstand. Den gilt es zu vermeiden.

 

BlachReport: Der GWA titelt auf seiner Website ‚Agentursklave – der vielleicht beste Job der Welt?!’ als ‚Meinung des Monats’ von Lukas Dudek von der Agentur taste!. Können Sie dies bestätigen?

 

Tanja Habbe: Lukas Dudek bringt es schon sehr gut auf den Punkt. Bei meinem Berufsstart wurden Eventmanager oftmals aus der Hotelbranche rekrutiert. Denn sie verstanden den Dienstleistungsgedanken und waren es gewohnt, Überstunden zu leisten. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Marke und Produkt war damals allerdings so gut wie noch nicht gefordert. Im heutigen Agenturalltag benötigen wir Projektmanager und Berater mit einer komplett anderen Ausbildung, Einstellung und differenzierten Denke. Allerdings haben diese Mitarbeiter auch andere Wünsche und Anforderungen. Heute sind diese Mitarbeiter im Markt stark umkämpft und nehmen sich die Freiheit, den Job zu wechseln, obwohl noch kein weiterer Arbeitsvertrag unterschrieben ist, denn im Vordergrund stehen immer mehr die persönlichen Bedürfnisse.

 

BlachReport: Was haben Agenturen in der Live-Kommunikation oder im MICE-Bereich versäumt?

Tanja Habbe: Aus meiner Sicht hat man die Ausbildung des Nachwuchses zu sehr Externen überlassen. Somit entspricht das Ergebnis nicht den aktuellen Anforderungen der heutigen Agenturbranche. Ein permanentes Lernen ist kaum institutionalisiert und der Blick liegt zu oft allein auf dem operativen Projektmanagement. Wenn Agenturen heute erfolgreich sein wollen, müssen sie Veränderung als Chance ansehen und die fachliche Qualifikation und Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter aktiv vorantreiben. So können sie viel besser den Bedürfnissen ihrer Kunden Rechnung tragen.

 

BlachReport: Wie steuert Stagg & Friends dagegen?

Tanja Habbe: Das versuchen wir über zwei Wege: Der erste ist der freie Arbeitsmarkt inklusive Kooperationen mit Ausbildungsträgern. Hier können wir vor allem mit spannenden Projekten punkten, um die besten Köpfe und den qualifiziertesten Nachwuchs für unsere Agentur zu begeistern. Zudem arbeiten wir bereits seit langem mit fünf Hochschulen und Instituten für Weiterbildung zusammen, geben dort Vorlesungen und werden in regelmäßigen Abständen von Studentengruppen besucht, die so bei uns ihre erste Agenturluft schnuppern können.

Das zweite Standbein sind interne Weiterbildungsmaßnahmen: Unsere STAGGacademy ist zu einer festen Institution geworden. Hier werden operative Inhalte gelehrt, Kreativworkshops durchgeführt oder auch Präsentationstrainings angeboten. Ebenfalls stecken wir viel Zeit in unser Traineeprogramm und entwickeln weitere Module, um unsere jungen Mitarbeiter möglichst breit aufzustellen und den Austausch untereinander zu fördern. Persönliche Weiterbildung ist bei uns Pflicht – und wird jährlich in Mitarbeiterjahresgesprächen fest vereinbart. So entsteht bei uns ein Team, welches die wachsenden Kundenanforderungen bestens bedienen kann.

 

BlachReport: Wie wichtig ist eine funktionierende Agenturkultur dafür?

Tanja Habbe: Sehr wichtig. Diese strahlt sowohl nach innen wie auch nach außen. Für eine funktionierende Unternehmenskultur muss sich eine Agentur ganz klar positionieren: Welchen Anspruch setzen wir an uns selbst? Wofür stehen wir als Marke? Und: Warum gibt es uns als Agentur auf dem Markt? Die Richtung muss vorgegeben, ein Rahmen gesetzt werden. Die Mitarbeiter verlangen klare Linien und auch Anweisungen. Bei Stagg & Friends ist es uns sehr wichtig, dass sich unser hoher Qualitätsanspruch an unsere Projekte, auch im Umgang mit den Mitarbeitern, widerspiegelt. Nur so kann man das als Arbeitgeber glaubwürdig umsetzen.

Ein Element, um dies zu erreichen, ist eine fest installierte Meeting-Kultur. Sie hält die interne Kommunikation am Laufen und sorgt für Transparenz und einen steten Austausch von Ideen. Das erzeugt fast automatisch eine gute Stimmung, und die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und gesehen. Natürlich nutzen wir aber auch die neuen Medien, wie eine Whats App Gruppe der gesamten Agentur, nehmen im Team am Staffellauf in Düsseldorf teil oder lassen einmal im Jahr bei unserer STAGGtour die Seele baumeln.

 

BlachReport: Können Sie erste Erfolge aufzeigen?

Tanja Habbe: Wir haben erkannt, dass man Mitarbeiter in keine Rolle drängen kann. Nicht jeder will Verantwortung übernehmen und in letzter Konsequenz eigenverantwortlich ein Team führen. Wir als Geschäftsführung haben die Aufgabe, jedem Mitarbeiter sein Spielfeld zu geben sowie ihn bestmöglich für seinen Job zu qualifizieren und entsprechend einzusetzen. Daher entwickeln wir unsere Agenturstruktur permanent weiter, um erfolgreich auf die Anforderungen unserer Kunden eingehen zu können. Wir sind stolz auf unsere Mannschaft, sehr sogar. Aber wir wollen uns als Agentur weiterentwickeln und suchen daher immer nach herausragenden Köpfen der Branche. Nur so können wir für unsere Kunden ein echter Sparringspartner und Berater bleiben.

 

BlachReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

 

 

Tanja Habbe (Foto: Stagg & Friends)

 

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